Krisen- und Konfliktbegleitung

Bilderleiste

News

Focus online: Den passenden Spezialisten finden 19.02.2013

 

Coach, Therapeut, Psychiater – Hier gibt es Hilfe in der Psychokrise

Dienstag, 19.02.2013, 13:44 · von FOCUS-Online-Redakteurin Anna Vonhoff 

Viele Menschen leiden zu lange, bevor sie sich Hilfe suchen.

Jeder zweite Deutsche leidet im Lauf seines Lebens an einer psychischen Erkrankung. Doch wer sich behandeln lassen will, weiß oft nicht, an wen er sich wenden kann. Ein Wegweiser durch den Therapeutendschungel.

Tina ist sich selbst fremd geworden: Sie fühlt sich schlapp, niedergeschlagen und ist ständig müde – doch richtig durchschlafen kann sie schon lange nicht mehr. Sie zieht sich immer mehr zurück. Freunde zu treffen ist ihr lästig geworden, das Volleyball-Training zu anstrengend und ihren Job als Lehrerin empfindet sie täglich als Belastung. Monatelang geht das so, bis Tina endlich ihren Hausarzt aufsucht. Damit macht sie einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung.

Den geeigneten Ansprechpartner finden

„Hausärzte sind die häufigste Anlaufstelle, wenn psychische Probleme auftauchen“, sagt Jürgen Margraf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie e.V. (DGPs). Allerdings kennen sich einige Hausärzte mit psychischen Störungen nicht gut genug aus – und zücken allzu schnell den Rezeptblock. Doch Schlaf- und Beruhigungsmittel lösen psychische Probleme nicht auf Dauer. Oft ist es daher besser, einen Spezialisten aufzusuchen.

Doch genau an diesem Punkt wissen die meisten Menschen nicht mehr weiter

Wer ist denn nun zuständig für Depressionen und Ängste? An wen sollte man sich mit einem Burnout oder heftigem Liebeskummer wenden? Studien zeigen, dass fast 90 Prozent der Deutschen nicht den Unterschied zwischen den verschiedenen Therapeuten kennen. Sie werfen die Begriffe Psychiater, Psychotherapeut und Psychologe in einen Topf – dabei sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Ausbildungen, Methoden und Konzepten groß. Doch allein die Berufsbezeichnungen sorgen für Verwirrung.

Wegweiser durch den Therapeutendschungel

Psychiater haben eine Medizinstudium, plus eine Ausbildung zum „Facharzt zur Psychiatrie“ oder zum „Facharzt zur Psychotherapie“ absolviert. Sie dürfen im Bedarfsfall Medikamente wie Antidepressiva oder Beruhigungsmittel verschreiben. Die Krankenkasse übernehmen die Kosten. Schwere Depressionen, Schizophrenie und Bipolare Störungen erfordern häufig eine medikamentöse Behandlung.

Diplom-Psychologen haben ein Psychologiestudium an der Universität abgeschlossen. Viele von ihnen werden nach ihrem Studium psychotherapeutisch tätig, vor allem als Psychologische Psychotherapeuten. Andere arbeiten in der Wirtschaft und in Personalabteilungen. Ein Psychologe ist jedoch noch kein Psychotherapeut.

Psychologische Psychotherapeuten haben im Anschluss an das Psychologiestudium eine Psychotherapieausbildung absolviert und eine kassenärztliche Zulassung erworben. Niedergelassene Psychologische Psychotherapeuten rechnen die Kosten der Therapie wie Ärzte über die gesetzlichen Krankenkassen ab. Es ist sinnvoll, sich mit Ängsten, Depressionen, Zwängen, Anpassungsstörungen oder Burnout an einen Psychotherapeuten zu wenden. Psychologische Psychotherapeuten dürfen jedoch keine Psychopharmaka, etwa Antidepressiva, verschreiben. Sie werden Patienten den Gang zum Psychiater jedoch empfehlen, sollten sie eine Behandlung mit Psychopharmaka für sinnvoll halten.

Auch Ärzte können die psychotherapeutische Zusatzausbildung ablegen und sind dann „Ärztliche Psychotherapeuten“.

Heilpraktiker für Psychotherapie haben eine beschränkte Behandlungserlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz. Im Gegensatz zu den Ausbildungen für psychologische und ärztliche Psychotherapeuten sind die Inhalte der Heilpraktikerausbildung nicht gesetzlich festgelegt. Die Therapie müssen die Patienten meist aus eigener Tasche finanzieren.

Therapeut/Coach ist kein geschützter Begriff, es gibt keine festgelegten Ausbildungsstandards.

Die Qual der Wahl

Neben den Berufsbezeichnungen gilt es auch, die verschiedenen Therapieverfahren zu unterscheiden. Sie unterscheiden sich in ihrem Verständnis der Entstehung psychischer Krankheiten – und wie sie zu behandeln sind.

Verhaltenstherapien und Psychodynamische Ansätze

Die Krankenkassen erstatten die Kosten für drei Therapieformen: Die am weitesten verbreitete Psychotherapie ist die Verhaltenstherapie. Mit Hilfe von Gesprächen, Verhaltensübungen und Rollenspielen sollen die Patienten eine neue Einstellung gewinnen und alte Verhaltensmuster ablegen. Die Therapie setzt in der Gegenwart an und will zukünftiges Verhalten ändern. Desweiteren gibt es die tiefenpsychologisch fundierten Verfahren und die Psychoanalyse. Diese beiden gehen zurück auf Sigmund Freud und seine Schüler. Diese Therapien setzten sich mit dem Unbewussten auseinander, um Konflikte und Probleme zu lösen. Erlebnisse aus der Vergangenheit sollen bearbeitet werden, um daraus die Gegenwart besser zu begreifen.

Welche Therapieform im Einzelfall die richtige ist, hängt ab von der Erkrankung – aber auch davon, welche Methoden den Patienten ansprechen. Es ist wichtig, dass die Therapieform und die Behandlungsschwerpunkte zu den Beschwerden und der Persönlichkeit der Patienten passen. Das können Betroffene und Behandler in einem Erstgespräch herausfinden.

Probesitzungen übernimmt die Krankenkasse

Möchte jemand eine Psychotherapie beginnen, ist keine Überweisung nötig. Jeder kann sich selbst und aus eigener Initiative einen Therapeuten suchen. Am einfachsten ist es jedoch, sich vom Hausarzt oder von Freunden eine Adresse empfehlen zu lassen. Gesetzlich Versicherte können fünf Probesitzungen in Anspruch nehmen. Sie werden erstattet, falls der Therapeut eine Kassenzulassung hat – und sofern er eine psychische Störung mit Krankheitswert diagnostiziert. Ob dem so ist, muss der Therapeut in den Probesitzungen feststellen.

Paartherapien und Familientherapien erstatten die Kassen nicht, da sie als Lebensberatung gelten. Denn meistens liegen hier keine psychischen Erkrankungen vor.

Hemmungen vor der Therapie überwinden

Die Angst vor Stigmatisierung sowie die Scham, sich an Psychiater und Psychotherapeuten zu wenden, sind leider in der Bevölkerung noch immer weit verbreitet. Da hilft es, sich zu vergegenwärtigen, dass man nicht alleine ist. „Fast die Hälfte der Deutschen leidet im Laufe des Lebens einmal an einer psychischen Erkrankung“, sagt Margraf. Zwar ist es generell eine individuelle Entscheidung, ob in einer bestimmten Lebenssituation Unterstützung nötig ist oder nicht. „Ich rate jedoch, nicht allzu lange abzuwarten, sondern sich wirklich Hilfe zu suchen, wenn einem alles über den Kopf wächst“, sagt der Psychologe. Eine rechtzeitige Intervention kann nämlich verhindern, dass Depressionen oder Ängste beispielsweise chronisch werden.

Coach, Therapeut, Psychiater – Hier gibt es Hilfe in der Psychokrise - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/krankheitenstoerungen/tid-29492/wegweiser-durch-den-therapeutendschungel-coach-therapeut-psychiater-hier-gibt-es-hilfe-in-der-psychokrise-_aid_913958.html